Schlafprobleme: Warum „gehört und verstanden werden“ oft der erste Schritt ist

26.12.2025

Gehört und verstanden werden – warum das bei Schlafproblemen entscheidend ist

Einleitung

Viele Menschen kommen zu mir nicht, weil sie noch einen Tipp brauchen. Sondern weil sie müde sind – vom Wachliegen, vom Funktionieren am Tag und vom Gefühl, nachts allein mit dem eigenen Kopf zu sein.

Und fast immer höre ich Sätze wie:

  • "Ich habe schon alles probiert."
  • "Niemand versteht, wie schlimm das ist."
  • "Ich will nicht mehr erklärt bekommen, was ich alles falsch mache."
  • "Ich habe bereits ein schlechtes Gewissen und Angst, irgendwas falsch zu machen."

Genau hier beginnt Schlafvertrauen. Nicht mit Perfektion. Sondern mit einem Punkt, der oft unterschätzt wird: Gehört und verstanden werden.

Schlaflosigkeit ist nicht nur ein Schlafproblem

Wenn du nachts wach liegst, passiert selten nur "ein bisschen Grübeln". Oft läuft im Hintergrund ein ganzer Stresskreislauf:

  • der Körper wird innerlich unruhig
  • der Kopf sucht Gründe und Lösungen
  • die Kontrolle steigt ("Ich muss jetzt schlafen")
  • und genau das hält das Nervensystem wach

Das ist kein Charakterproblem. Das ist biologisch. Dein autonomes Nervensystem versucht, Sicherheit herzustellen – nur leider mit Strategien, die nachts nicht helfen.

Warum gut gemeinte Ratschläge oft alles schlimmer machen

Viele Betroffene bekommen Sätze wie:

  • "Du musst einfach loslassen."
  • "Mach weniger Bildschirm."
  • "Du denkst zu viel."

Das Problem: Wenn jemand im Alarm ist, wirken solche Sätze wie eine zusätzliche Bewertung. Der Körper hört nicht "Hilfe", sondern "Du bist falsch".

Was du in schlaflosen Phasen stattdessen brauchst, ist Co-Regulation. Ein Gegenüber, das dich nicht optimiert, sondern dein System entlastet – weil du dich wirklich verstanden fühlst.

"Gehört und verstanden werden" reguliert das Nervensystem

Wenn du dich wirklich verstanden fühlst, passiert häufig Folgendes:

  • der innere Druck sinkt
  • die Atmung wird ruhiger
  • der Brustkorb wird weiter
  • der Körper lässt minimal mehr los

Nicht, weil jemand "Zauberworte" sagt. Sondern weil sich zwei Nervensysteme miteinander verbinden. Dein System bekommt das Signal: "Ich bin nicht allein. Ich bin sicher."

Und Sicherheit ist die Voraussetzung dafür, dass Schlaf wieder möglich wird.

Der unterschätzte Kern: Auch du darfst dir zuhören

Wenn wir davon sprechen, gehört und verstanden zu werden, denken wir oft an ein Gegenüber. Doch manchmal beginnt Regulation auch bei der Bereitschaft, sich selbst zuzuhören.

Nicht: "Wie bekomme ich das weg?" Sondern: "Was will mein System gerade sagen?"

Gehörtwerden beginnt manchmal genau hier: im eigenen Inneren.

Eine kleine Übung für heute Abend

Setz dich kurz auf die Bettkante.
Leg eine Hand auf den Brustkorb, eine auf den Bauch.
Atme fünfmal ruhig durch die Nase.

Sag dir leise:

„Ich höre dich.“
„Ich muss dich heute nicht verbessern.“
„Ich darf dich beruhigen.“

Nicht als Technik. Sondern als Haltung.

Warum das so vielen guttut

Viele meiner Klient:innen sind keine "schlechten Schläfer". Ihr System hat über lange Zeit gelernt, nachts wachsam zu sein.

Was sich verändert, ist nicht der Körper selbst, sondern die Beziehung zu ihm.

Und Vertrauen ist der Boden, auf dem Schlaf entsteht.

Wenn du Struktur willst – ohne Perfektionsdruck

Wenn du nicht nur verstehen, sondern ein klares System für Atmung, Nervensystem und Sicherheit entwickeln möchtest, dann begleite mich im kostenlosen Workshop.

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Wissenschaftlicher Hintergrund: Co-Regulation

Der Begriff Co-Regulation stammt aus der Emotions- und Bindungsforschung und beschreibt einen Prozess, bei dem sich zwei Menschen gegenseitig in ihrer emotionalen und physiologischen Regulation beeinflussen. Studien zeigen, dass soziale Unterstützung und empathisches Verstandenwerden mit reduzierten Stressreaktionen und besserer emotionaler Stabilität verbunden sind. In der Polyvagal-Theorie wird beschrieben, dass soziale Sicherheitssignale das autonome Nervensystem beruhigen und Regulation erleichtern. Diese Mechanismen sind auch für Schlaf relevant, da Stressaktivierung eine zentrale Rolle bei Ein- und Durchschlafstörungen spielt.

Literaturhinweis: Feldman (2007, 2012); Cohen & Wills (1985); Uchino (2006); Porges (2011); Baglioni et al. (2010).