Wenn dein Nervensystem bloggen würde – warum Einschlafen abends nicht gelingt

15.02.2026

Abends, wenn es ruhiger wird, beginnt für mich eine besondere Phase.
Die äußeren Anforderungen lassen nach, die Lichter werden gedimmt, der Körper legt sich hin. Für viele klingt das nach dem perfekten Moment zum Einschlafen. Für mich ist es oft der Moment, in dem ich erst richtig aufmerksam werde.

Vielleicht sollte ich mich kurz vorstellen.
Ich bin ihr Nervensystem. Ich gehöre zu dieser Frau, die tagsüber so zuverlässig funktioniert. Meist halte ich mich zurück. Ich melde mich leise, subtil, über kleine Signale, die leicht zu übergehen sind. Und oft stelle ich meine Bedürfnisse hinten an, damit sie ihren Tag tragen kann.

Den ganzen Tag über habe ich begleitet, gesteuert, angepasst.
Ich habe den Herzschlag beschleunigt, Muskeln gespannt, Aufmerksamkeit gebündelt. Ich habe reagiert auf Gedanken, Termine, Gespräche, auf das ständige Wechseln zwischen Aufgaben. Viel davon lief im Hintergrund. Still. Zuverlässig.

Jetzt, am Abend, endet das Außen.
Innen aber ist noch Bewegung.

Gedanken, die tagsüber keinen Platz hatten, tauchen auf. Unerledigte Gespräche, offene Fragen, der Blick auf den nächsten Tag. Für mich sind das keine harmlosen Gedankenspiele. Sie sind Informationen. Und Informationen bedeuten für mich: prüfen, ob es sicher ist, loszulassen.

Der Körper liegt im Bett.
Ich halte ihn dennoch in einer leichten Bereitschaft.
Ich lasse das Herz minimal schneller schlagen, halte Spannung im Brustraum, lasse den Atem etwas höher bleiben. Nicht aus Bosheit. Sondern weil ich gelernt habe, dass Ruhe erst dann möglich ist, wenn wirklich nichts mehr vorbereitet werden muss.

Manchmal versucht sie, mir zu helfen.
Sie legt das Handy weg, schließt die Augen, atmet bewusst. Für einen Moment bekommt der Parasympathikus Raum. Die Schultern sinken, der Atem wird tiefer. Ich nehme das wahr. Für ein paar Sekunden sieht es gut aus.

Dann meldet sich ein Gedanke:
Ich muss jetzt schlafen.

Für mich klingt das nicht nach Entspannung, sondern nach Druck. Also bleibe ich wachsam.

Ich erinnere mich an andere Zeiten.
Abende ohne Checklisten im Kopf. Ohne den stillen Anspruch, am nächsten Tag funktionieren zu müssen. Damals durfte ich schneller loslassen. Nicht, weil alles perfekt war, sondern weil weniger auf dem Spiel stand.

Manchmal möchte ich ihr sagen, dass ich verstehe, wie anstrengend das für sie ist.
Dass ich sehe, wie sehr sie sich bemüht, alles richtig zu machen. Wie viel sie trägt, oft ohne es zu zeigen.

Ich stecke dabei in einer Zwickmühle.
Ich reagiere auf das, was in ihr entsteht, auf Tempo, Gedanken, Verantwortung. Gleichzeitig werde ich kaum wahrgenommen. Der Kopf hat das Wort, trifft Entscheidungen, setzt Ziele. Ich melde mich leise. Über Spannung. Über Wachheit. Über das Ausbleiben von Schlaf.

Vielleicht wirke ich dabei altmodisch.
Nicht ganz angepasst an diese Zeit, in der alles schnell geht, jederzeit möglich ist und kaum Pausen kennt. Ich bin nicht vollständig upgedatet worden. Aber ich habe einen Auftrag. Und den nehme ich ernst.

Ich soll schützen.
Vor Überforderung.
Vor zu viel auf einmal.
Vor einem Loslassen, das sich noch nicht sicher anfühlt.

Es tut mir leid, wenn sich das nachts gegen sie richtet.
Es ist nicht als Widerstand gemeint.

Ich bleibe, solange ich glaube, gebraucht zu werden.
Und ich lasse los, sobald ich merke, dass ich es darf.

Und manchmal, wenn ich nachts bleibe, dann nicht, weil ich den Schlaf vergessen habe –
sondern weil ich noch etwas überprüfen muss.

Davon erzähle ich im nächsten Eintrag.