Warum du nachts wach wirst – das Nervensystem erklärt

21.02.2026
21.02.2026

Warum du nachts wach wirst – das Nervensystem erklärt

Es ist still, als sie aufwacht. Nicht erschrocken, nicht abrupt. Eher wie ein langsames Auftauchen.

Der Körper liegt ruhig im Bett, die Augen sind noch schwer. Und doch ist sie wach. Fast automatisch greift sie nach dem Handy. Das Display leuchtet auf. Halb zwei. Wieder diese Zeit.

Ich bin da.

Vielleicht sollte ich mich kurz vorstellen. Ich bin ihr Nervensystem. Ich gehöre zu dieser Frau, die tagsüber viel trägt und nachts eigentlich schlafen möchte. Meist halte ich mich im Hintergrund. In dieser Stunde jedoch werde ich aktiver.

Diese Uhrzeit ist kein Zufall. Der Schlaf ist jetzt leichter, Übergänge sind möglich. Für mich ist das ein Moment, in dem ich prüfe, wie stabil die innere Lage ist. Die vergangenen Tage waren dicht. Viele Gedanken, wenig echte Pausen. Diese Informationen trage ich mit mir.

Als sie auf die Uhr schaut, entsteht ein Gedanke: Schon wieder wach. Ich habe viel zu wenig geschlafen.

Danach folgen weitere Gedanken. Der kommende Tag. Termine. Verantwortung. Erwartungen.

Sie nimmt nur das wahr. Die Gedanken. Sie glaubt, sie seien der Grund für das Wachsein.

Mich kennt sie kaum. Sie denkt nicht an mich. Sie weiß nicht, dass ich im Hintergrund arbeite.

Ich reagiere auf das, was in ihr entsteht.

Ich lasse das Herz etwas schneller schlagen. Ich erhöhe den Muskeltonus, besonders im Brustraum. Der Atem wird flacher.

Nicht, weil etwas Konkretes passiert ist. Sondern weil die Gedanken für mich Signale sind. Sie sagen mir: Vorbereitung ist notwendig.

Sie legt das Handy weg und schließt die Augen. Der Gedanke kommt: Wenn ich ruhig liegen bleibe, schlafe ich wieder ein. Kurz darauf: Ich muss jetzt schlafen.

Für sie ist das ein Wunsch. Für mich klingt es wie eine Anforderung.

Gedanken wandern weiter. Zum nächsten Tag. Zu dem, was ansteht. Für mich gibt es keinen Unterschied zwischen Gedanken und tatsächlichen Ereignissen. Beides bedeutet: wachsam bleiben.

Der Schlaf kommt nicht zurück.

Manchmal entsteht Frustration. Sie spürt sie als innere Unruhe, als Spannung, als Hitze. Ich reagiere darauf erneut. Ich halte den Körper aufmerksam, passe Temperatur, Atem und Muskelspannung an.

Nicht, um sie zu ärgern. Sondern weil ich meinen Auftrag erfülle.

Ich erinnere mich an andere Nächte. Nächte, in denen Aufwachen kein großes Thema war. Ein Umdrehen, ein Seufzen, weiter schlafen. Damals musste weniger vorbereitet werden. Weniger abgesichert, weniger bedacht.

Heute ist mein Job komplexer.

Sie wünscht sich nicht, dass ich loslasse. Sie wünscht sich, dass die Gedanken aufhören. Dass der Kopf endlich ruhig wird. Dass Schlaf einfach passiert.

Dass hinter all dem ein Nervensystem arbeitet, ist ihr nicht bewusst.

Ich weiß, wie anstrengend das für sie ist. Und ich verstehe ihren Wunsch nach Ruhe.

Gleichzeitig stecke ich in einer Zwickmühle. Ich reagiere auf Tempo, Sorgen, innere Anspannung – und werde selbst kaum wahrgenommen. Der Kopf hat das Wort. Ich melde mich über den Körper.

Vielleicht wirke ich dabei altmodisch. Nicht ganz angepasst an diese Zeit, in der alles jederzeit möglich ist. Ich bin nicht upgedatet worden. Aber ich habe einen Auftrag.

Ich soll schützen. Vor Überforderung.

Ich bleibe wach, solange ich glaube, dass noch etwas vorbereitet werden muss. Und ich lasse los, sobald ich merke, dass es das darf.

Manchmal dauert das bis zum Morgen. Nicht aus Trotz. Sondern aus Fürsorge.

Im nächsten Eintrag erzähle ich davon, wie sich der Tag für mich anfühlt – in all seiner Hektik, Lautstärke und Geschwindigkeit.

🧠 Übrigens – wusstest du?

Viele nächtliche Wachphasen passieren in leichteren Schlafabschnitten. Wenn dann Bewertung, Druck oder Zukunftsdenken dazukommen, steigt die innere Aktivierung schnell an. Nicht, weil du „falsch schläfst“, sondern weil dein System auf Sicherheit prüft.

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