Warum du trotz Schlaf müde bist – was dein Nervensystem damit zu tun hat
Du schläfst mehrere Stunden, vielleicht sogar "genug" – und fühlst dich morgens trotzdem müde?
Vielleicht wachst du nachts auf, reagierst auf jedes kleine Geräusch oder hast das Gefühl, dein Schlaf sei insgesamt zu leicht.
Um zu verstehen, warum das so ist, hilft ein Blick in die Natur.
Oder genauer gesagt: auf eine schlafende Katze.
Was wir von schlafenden Katzen über Schlaf lernen können
Eine Katze ist nicht nur Räuber – sie ist auch Beutetier.
Das bedeutet: Selbst im Liegen, selbst mit geschlossenen Augen, kann sie sich nicht sofort vollständig entspannen.
Wenn eine Katze sich hinlegt, beginnt sie nicht direkt tief zu schlafen:
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Die Augen sind zwar geschlossen
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Aber jedes Geräusch kann sie aufmerken lassen
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Die Ohren bewegen sich
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Die Atmung ist noch schneller
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Ein Teil von ihr bleibt wachsam
Erst nach einiger Zeit, wenn keine Störung erfolgt, wird:
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die Atmung langsamer
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der Körper schwerer
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die Wachsamkeit geringer
👉 Erst dann schläft sie wirklich.
Erst dann fühlt sie sich sicher genug, um zu regenerieren.
Und genau deshalb sollte man eine Katze in dieser Phase nicht wecken.
Diese tiefere Schlafphase ist für sie – wie für uns – essenziell.
Schlaf ist kein Abschalten – sondern ein Übergang in Sicherheit
Auch beim Menschen ist Schlaf kein Knopfdruck, sondern ein Prozess.
Unser Gehirn durchläuft nachts verschiedene Schlafphasen:
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Non-REM-Schlaf, inklusive Tiefschlaf (körperliche Regeneration)
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REM-Schlaf, wichtig für emotionale Verarbeitung und Gedächtnis
Damit diese Phasen stabil ablaufen können, braucht das Nervensystem eines ganz besonders:
das Gefühl von Sicherheit.
Schlaf entsteht also nicht dadurch, dass wir müde genug sind –
sondern dadurch, dass unser Körper "verstanden" hat:
Ich kann loslassen.
Das Nervensystem entscheidet, wie tief wir schlafen
Hier kommt das autonome Nervensystem ins Spiel:
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Sympathikus → Aktivierung, Wachsamkeit, Reaktionsbereitschaft
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Parasympathikus → Ruhe, Regeneration, tiefer Schlaf
Für erholsamen Schlaf muss – wie bei der Katze – der Parasympathikus die Führung übernehmen.
Ist das Nervensystem jedoch noch im "Auf-der-Hut-sein", passiert etwas sehr Typisches:
Der Körper liegt – aber schläft nicht wirklich.
Warum wir nachts aufwachen, obwohl wir müde sind
Bei anhaltendem Stress bleibt das Nervensystem oft in erhöhter Grundspannung.
Nicht unbedingt, weil etwas akut Schlimmes passiert – sondern weil der Körper gelernt hat, wachsam zu bleiben.
Das zeigt sich nachts so:
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Schlafzyklen werden leichter
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das Gehirn überwacht die Umgebung
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selbst kleine Reize reichen aus, um Aktivierung auszulösen
Ganz ähnlich wie bei der Katze in ihrer ersten Schlafphase:
Die Augen sind zu – aber der Körper bleibt bereit.
Wenn jedes Geräusch dich aus dem Schlaf reißt
Das Reagieren auf kleinste Geräusche ist deshalb ein sehr klares Zeichen für ein aktives Nervensystem.
In einem regulierten Zustand filtert das Gehirn Reize:
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Autos in der Ferne
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leises Knacken
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Bewegungen im Haus
Sind unwichtig – der Schlaf geht weiter.
Ist das Nervensystem jedoch in Alarmbereitschaft, funktioniert dieser Filter nicht zuverlässig.
Das Gehirn denkt vorsorglich: "Lieber einmal zu viel reagieren als einmal zu wenig."
Dieses Aufschrecken ist kein leichter Schlaf – sondern Schutz.
Auch hier macht dein Körper nichts falsch.
Er tut genau das, was er gelernt hat.
Typische Anzeichen eines überaktiven Nervensystems nachts
Viele Menschen erkennen sich hier wieder:
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Aufwachen zwischen 2 und 4 Uhr
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hohe Geräuschempfindlichkeit
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innere Unruhe oder Herzklopfen
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Grübeln ohne konkreten Anlass
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morgendliche Erschöpfung trotz Schlaf
Mehr dazu im Artikel:
👉 Nachts wach trotz Müdigkeit
Wie bei der Katze fehlt oft der Übergang von Wachsamkeit zu tiefer Sicherheit.
Warum Schlafhygiene allein oft nicht ausreicht
Ein dunkles Zimmer, kein Handy, feste Schlafzeiten – all das kann unterstützen.
Aber: Es sagt dem Nervensystem nicht automatisch, dass es sicher ist.
Wenn der Körper noch "lauscht", bleibt der Schlaf oberflächlich –
so wie bei der Katze, die noch jedes Geräusch prüft.
Dein Nervensystem braucht nicht mehr Disziplin,
sondern bessere Bedingungen, um loszulassen.
Ein neuer Blick auf Schlafprobleme
Nicht erholsamer Schlaf ist häufig kein persönliches Defizit.
Er ist ein Signal.
Ein Hinweis darauf, dass dein Nervensystem – wie bei der Katze –
noch Zeit braucht, um von Wachsamkeit in echte Ruhe zu wechseln.
Regeneration passiert nicht durch Druck,
sondern durch Sicherheit.
Workshop im Februar – Schlaf verstehen über das Nervensystem
In meinem kommenden Workshop im Februar schauen wir genau hier hin:
-
wie dein Nervensystem deinen Schlaf steuert
-
warum dein Körper nachts wachsam bleibt
-
wie du ihm Schritt für Schritt Sicherheit vermittelst
-
und wie tiefer, erholsamer Schlaf wieder möglich wird
📌 Termin: 24.02.26, 18:00 - 19:30 Uhr, online via Zoom
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